In der Jagd spielen Faustfeuerwaffen eine eher untergeordnete Rolle, dennoch sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung vieler JägerInnen. Ob als Fangschusswaffe für verletztes Wild oder zur eigenen Sicherheit bei der Nachsuche – der verantwortungsbewusste Umgang mit Pistolen und Revolvern ist entscheidend. Ein sicherer Umgang mit der Waffe kann im Ernstfall über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Doch welche Rolle spielen Faustfeuerwaffen genau, und warum ist eine fundierte Ausbildung unerlässlich?
Die Rolle der Faustfeuerwaffe in der Jagd
Während Langwaffen – also Büchsen und Flinten – im jagdlichen Alltag dominieren, erfüllen Faustfeuerwaffen spezifische Aufgaben. Besonders bei der Nachsuche auf angeschossenes Wild ist der gezielte Fangschuss mit einer Kurzwaffe oft die schnellste und tierschutzgerechteste Methode, um unnötiges Leiden zu vermeiden. Auch in unwegsamem Gelände, wo eine Langwaffe unpraktisch ist, kann eine gut geführte Pistole oder ein Revolver von Vorteil sein.Viele JägerInnen entscheiden sich zudem aus Sicherheitsgründen für eine Faustfeuerwaffe. Besonders in Regionen mit Wildschweinvorkommen kann es bei der Nachsuche zu gefährlichen Situationen kommen. Ein wehrhaftes Stück Schwarzwild kann JägerInnen oder Jagdhunde schwer verletzen – hier kann eine gut platzierte Kugel aus einer Kurzwaffe die letzte Rettung sein.
Der sichere Umgang – mehr als nur Theorie
Das Führen einer Faustfeuerwaffe erfordert mehr als nur eine Waffenbesitzkarte und eine gültige Jagdkarte. Eine Pistole oder ein Revolver verhält sich beim Schuss völlig anders als eine Büchse. Rückstoß, Munitionswahl (Achtung: Teilzerlegungsgeschoße wie Teilmantel oder Hohlspitzgeschoße dürfen nur von JägerInnen oder SportschützInnen erworben, besessen und verwendet werden) und das Handling sind wesentlich komplexer. Ohne regelmäßiges Training kann eine solche Waffe im Ernstfall sogar gefährlicher für den Schützen selbst sein.
Aus diesem Grund ist es essenziell, den Umgang mit der Kurzwaffe durch gezieltes Training zu verbessern. Hierbei geht es nicht nur um das Zielen und Abdrücken, sondern auch um schnelle Reaktionsfähigkeit, sichere Handhabung und die richtige Entscheidung in stressigen Situationen.
Professionelle Kurse in der Steiermark
Wer sich in diesem Bereich weiterbilden möchte, hat in der Steiermark hervorragende Möglichkeiten. Besonders die Schulungen von Naturwelten und Invisible Shield (www.invisible-shield.at) bieten fundierte und praxisnahe Trainings für JägerInnen. Ich, Angela, habe bereits an Kurs 1 und 2 teilgenommen und konnte wertvolle Erfahrungen sammeln. Von den Grundlagen der Schießtechnik bis hin zu realistischen Szenarien in der Nachsuche – die vermittelten Inhalte sind nicht nur spannend, sondern auch ungemein praxisrelevant.
Nun freue ich mich auf den dritten Teil der Ausbildung, der im 360 Grad Schießcenter stattfindet. Hier wird der Fokus auf dynamisches Schießen, Stressresistenz und den Umgang in komplexen Jagdsituationen gelegt. Solche Trainings sind für jede/n JägerIn, der/die eine Faustfeuerwaffe führt, ein absolutes Muss.
Waffenrechtliche Aspekte und Verantwortung
Neben der praktischen Handhabung darf man die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht außer Acht lassen. Faustfeuerwaffen unterliegen strengen Gesetzen, und ihr Einsatz ist klar geregelt. So dürfen sie in Österreich ausschließlich für jagdliche Zwecke oder zum Selbstschutz in gefährlichen Situationen geführt werden. Wer eine solche Waffe besitzt, ist auch verpflichtet, sie sicher aufzubewahren und regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit zu prüfen.
Ein verantwortungsvoller Jäger oder eine verantwortungsvolle Jägerin sollte stets das Bewusstsein haben, dass jede Waffe – egal ob Lang- oder Kurzwaffe – ein potenzielles Risiko darstellt. Nur durch konsequente Schulung, regelmäßiges Training und ein klares Verständnis der eigenen Verantwortung kann der sichere Umgang mit Faustfeuerwaffen in der Jagd gewährleistet werden.
JÄGERWISSEN: Nottötung von Wild nach Unfällen
Bei Wildunfällen geht es oft darum, schwer verletzte und leidende Wildtiere so rasch wie möglich von ihrem Leid zu erlösen. Wie mit dieser herausfordernden Situation, die möglicherweise noch vor Beteiligten am Unfallort stattfindet, kompetent und professionell umzugehen ist, wird in einem über die Steirische Landesjägerschaft verfügbaren Lehrfilm anschaulich dargestellt.
Welche grundlegenden Punkte bei der fachlich korrekten Durchführung einer Nottötung zu beachten sind, wird ebenfalls beschrieben. Diese ist auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft durchzuführen – das sogenannte „Knicken“ ist nicht mehr zeitgemäß und damit nicht mehr das Mittel der Wahl.
Wenn ein gezielter Tötungsschuss aus Sicherheitsgründen nicht abgegeben werden kann, ist ein Entblutungsschnitt am Träger durchzuführen. Dieser sollte nach einem Betäubungsschlag auf den Hinterkopf erfolgen. Für den Entblutungsschnitt ist ein ausreichend langes und scharfes Messer zu verwenden – bei einem Reh beispielsweise mit einer Mindestklingenlänge von 12 cm.
Der Entblutungsschnitt wird durch einen Stich mit aufgestellter Klinge direkt unter der Wirbelsäule gesetzt und durch ein Hinausziehen der Klinge in Richtung Trägerunterseite durchgeführt. Über diesen Schnitt werden die vier Hauptgefäße am Träger mit einem Schnitt eröffnet.
Gerade in diesen Wochen kommen viele JägerInnen zur Vorbesprechung der Abschussplanung zusammen – das Lehrvideo „Straßenverkehrsunfallwild“ ist eine ideale Möglichkeit, dieses Zusammentreffen mit zeitgemäßer Weiterbildung zu verbinden. Das Video kann über das Büro der Steirischen Landesjägerschaft in Graz unter lja@jagd-stmk.at angefordert werden.
Fazit: Ausbildung rettet Leben
Eine Faustfeuerwaffe kann ein wertvolles Werkzeug für JägerInnen sein – aber nur, wenn sie sicher und sachgerecht eingesetzt wird. Der richtige Umgang entscheidet in vielen Fällen über den Erfolg einer Nachsuche und kann im Ernstfall sogar Leben retten. Wer eine solche Waffe führt, sollte sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst sein und regelmäßig trainieren.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Die Ausbildung bei Naturwelten, Invisible Shield und im 360 Grad Schießcenter sind absolut lohnenswert. Nicht nur für die eigene Sicherheit, sondern auch für eine waidgerechte Jagd. Denn nur wer sein Handwerk beherrscht, kann es auch mit gutem Gewissen ausüben.
Ein besonderer Dank gilt Michael Kohl, der mit seinem Wissen und seiner Erfahrung maßgeblich zur Weiterbildung im Bereich jagdlicher Schießtechnik beiträgt.
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